10 Vorschläge

Ein Schaubild zu realpolitischen Schritten hin zu einer Postwachstumsgesellschaft

In Kleingruppen setzen sich die TN zunächst mit einer politischen Maßnahme zugunsten einer Postwachstumsgesellschaft auseinander und stellen diese anschließend mit ihrem Für und Wider vor. Daraufhin wird gemeinsam ein Schaubild aller Maßnahmen erstellt und die Zusammenhänge zwischen ihnen diskutiert.

Arbeitsmaterial zum Download:
+ Arbeitsblatt
+ Schaubild

Hintergrund
In Diskussionen rund um das Thema Degrowth wird häufig angemerkt, dass die Vorstellungen dazu vage bleiben und der Bezug zur realpolitischen Schritten fehlt. Als Reaktion darauf hat das Forscher_innenkollektiv „Research & Degrowth“ (www.degrowth.org) aus Barcelona 10 Vorschläge für politische Maßnahmen entwickelt und diese in die politische Diskussion in Spanien eingebracht. Die Autor_innen betonen dabei, dass die Umsetzung eines einzelnen Vorschlags allein vermutlich keinen Zugewinn, sondern eine Verschlechterung der derzeitigen Situation bewirken würde. Laut den Autor_innen würde zum Beispiel die Einführung von ökologischen Grenzen (Vorschlag 9, siehe Arbeitsmaterial zum Download) für sich genommen vermutlich zu einer schrumpfenden Produktion und gegebenenfalls zu mehr Arbeitslosigkeit führen. In Kombination mit einer Aufteilung der Arbeit (Vorschlag 2) und einem Grundeinkommen (Vorschlag 3) könnten diese Effekte ausgeglichen werden und die soziale Sicherheit vom Wirtschaftswachstum entkoppelt werden. Deshalb müssen die Vorschläge als Gesamtpaket betrachtet werden, um die negativen Aspekte eines Vorschlags durch positive Auswirkungen eines anderen aufzufangen.

Vorbereitung
Die Anleitenden machen sich mit den 10 Vorschlägen vertraut (siehe Arbeitsblatt). Für eine weitergehende Beschäftigung mit einigen der Forderungen bietet sich das Buch „Degrowth. Handbuch für eine neue Ära“ (von D’Alisa et al. 2016) an.
Das Arbeitsblatt wird in ausreichender Anzahl ausgedruckt und die 10 Vorschläge werden ausgeschnitten.

Durchführung
1. Einführung (5’)
Die Anleitenden stellen das Thema der Methode vor. Sie erläutern, wer die Autor_innen der 10 Vorschläge sind und wie es zu ihrer Formulierung kam (siehe Hintergrund). Sie weisen dabei darauf hin, dass sie für den Kontext von Spanien und Katalonien geschrieben wurden, sich aber (mit leichten Änderungen) auch auf andere Länder in Europa übertragen lassen.

2. Beschäftigung mit einer politischen Maßnahme in Kleingruppen (15’)
Die TN werden in insgesamt neun Kleingruppen à zwei bis vier Personen aufgeteilt. Jede Gruppe erhält eine der politischen Maßnahmen. Die 10. Maßnahme (Abschaffung des BIP als Indikator) behalten die Anleitenden zunächst bei sich.
Die TN diskutieren folgende Leitfragen:
> Welche gesellschaftlichen Folgen sind bei der Einführung eurer politischen Maßnahme zu erwarten?
> Was sind positive oder wünschenswerte Auswirkungen?
> Welche negativen Auswirkungen könnten auch auftreten?
Falls die TN zunächst keine eigenen Ideen haben, worauf sich die politischen Maßnahmen auswirken könnten, können die Anleitenden Anregungen geben, indem sie fragen, welche Auswirkungen die jeweilige Maßnahme auf z. B. die Erfüllung der Grundbedürfnisse, den Verbrauch natürlicher Ressourcen oder die soziale Ungleichheit haben.

3. Kurzpräsentationen (10’)
Nach der intensiven Auseinandersetzung mit einem der 10 Vorschläge erstellt jede Kleingruppe ein Symbol für ihre Maßnahme auf einer Moderationskarte. Die Kleingruppen stellen nacheinander die Grundzüge ihrer politischen Maßnahme vor – dabei soll es ganz bewusst noch nicht um die positiven und negativen Folgen dieses Vorschlags gehen – und pinnen ihr Symbol an die Tafel/das Brownpaper, sodass alle Symbole zusammen einen Kreis bilden.

4. Interaktion der Maßnahmen (20’)
Im nächsten Schritt soll es darum gehen, wie die verschiedenen Vorschläge zusammenhängen. Dazu wird in die Runde gefragt, welche Kleingruppe beginnen möchte, eine der Auswirkungen zu benennen, die sie als besonders wichtig oder problematisch erachtet. Die Anleitenden schreiben die Auswirkung als Stichwort auf eine Moderationskarte und platzieren diese im Schaubild innerhalb des Kreises der Vorschläge/Symbole (siehe Arbeitsmaterial Schaubild).
Anschließend zeichnen sie eine Linie zwischen der Maßnahme und der Auswirkung: in Rot, wenn die Auswirkung als negativ eingeschätzt wurde; in Grün, wenn die Auswirkung als positiv eingeschätzt wurde. Daraufhin wird in die Runde gefragt, ob andere die gleiche Auswirkung durch ihre eigenen Maßnahmen identifiziert haben. Die jeweiligen Verbindungen werden ergänzt. So entsteht das Schaubild, bis alle wichtigen Auswirkungen integriert und alle Verbindungslinien gezogen wurden. Falls das Schaubild ab einem bestimmten Punkt unübersichtlich wird, kann auch abgebrochen oder weitere, weniger wichtige Auswirkungen können außerhalb des Schaubilds festgehalten werden.

5. 10. Vorschlag – Überleitung zur Auswertung (5’)
Von den Anleitenden wird nun der 10. Vorschlag „Schafft das BIP als Indikator für wirtschaftlichen Fortschritt ab“ vorgelesen, mit der anschließenden Frage: „Warum ist es wichtig, die Einführung der genannten Vorschläge mit der Abschaffung des BIP als derzeit wichtigstem Indikator für unseren Wohlstand zu kombinieren?“

Auswertung
Für die Auswertung sollte das Schaubild für alle weiterhin gut sichtbar sein. Dabei können folgende Fragen diskutiert werden:
> Wenn ihr euch das Netz anschaut, welche politischen Maßnahmen sind zentral?
> Gibt es auch Maßnahmen, die eurer Meinung nach nicht so wichtig sind oder sogar weggelassen werden könnten? Gibt es Maßnahmen, die ihr problematisch findet?
> Welche derzeitigen gesellschaftlichen Probleme würden von den Maßnahmen in Angriff genommen?
> Welche Probleme sind offen geblieben? Für welche negativen Aspekte wurden keine ausgleichenden Auswirkungen gefunden? Wie könnten diese verbliebenen negativen Aspekte aufgefangen werden?

Quellen:
D’Alisa, Giacomo/Demaria, Federico/Kallis, Giorgos: Degrowth. Handbuch für eine neue Ära. München 2016.
Kallis, Giorgos (mit Research & Degrowth): 10 Policy Proposals for the New Left. www.degrowth.org/2015/05/15/es-we-can-prosper-without-growth
Wir bedanken uns bei Research & Degrowth für die Erlaubnis zur Nutzung der 10 Vorschläge für diese Methode.