Konkurrenz oder Kooperation?

Ein Experiment zu Menschenbildern in der Wirtschaft

—nur online verfügbar—

Zunächst wird das Experiment „Gewinnt so viel ihr könnt“ durchgeführt und diskutiert. Anschließend werden in Kleingruppen verschiedene Texte zu ausgewählten Menschenbildern gelesen und aufgearbeitet. In einem nächsten Schritt stellen sich die Kleingruppen ihre jeweils bearbeiteten Menschenbilder gegenseitig vor. Der abschließenden Diskussion und Reflexion der Menschenbilder sollte ausreichend Raum gegeben werden – insbesondere auch, um Parallelen im eigenen Leben zu entdecken.

Arbeitsmaterial zum Download:
+ Arbeitstexte zu verschiedenen Menschenbildern

Vorbereitung

> Die Anleitenden lesen einen Hintergrundtext zu den Menschenbildern (siehe Arbeitsmaterial).
> Für das Experiment werden jeweils eine rote und eine schwarze Spielkarte je Gruppe benötigt.
> Der Gewinnplan und eine Spieltabelle (s.u.) werden am Flipchart oder an der Tafel visualisiert.
> Ausreichende Kopien der Texte zu den jeweiligen Menschenbildern werden angefertigt.

Durchführung

1. Das Experiment „Gewinnt so viel ihr könnt“ (ca. 30-40 Min.)

Die Gruppe der TN wird in zwei Teams aufgeteilt. Dabei ist es ratsam, dass die jeweiligen Teams nicht größer sind als 6 Personen, um den Austausch innerhalb der Gruppen zu gewährleisten. Soll das Experiment mit einer größeren Gruppe und zwei Anleitenden durchgeführt werden, dann bieten sich zwei parallele Spiele an. Die beiden Teams ziehen sich in entfernte Ecken des Raumes zurück, damit sie sich innerhalb ihres Teams austauschen können, ohne dass sie vom anderen Team gehört werden.

Jedes Team bekommt eine schwarze und eine rote Karte. Dabei ist das Blatt (Pik, Karo, Herz, Kreuz bzw. Schell, Herz, Blatt, Eichel) sowie der Wert der Karte unerheblich. Die Spielleitung verkündet das Ziel des Spiels, möglichst viele Punkte zu sammeln: „Gewinnt so viel ihr könnt!“ Dabei soll die/der Anleitende sich zunächst nicht dazu äußern, ob die Teams nur im jeweils eigenen Team (Konkurrenz) oder gemeinsam in der Gesamtgruppe (Kooperation) so viele Punkte wie möglich sammeln sollen. Erst auf Nachfrage kann erwähnt werden, dass dies nicht festgelegt ist.

Der Gewinnplan wird für beide Teams sichtbar an der Tafel oder am Flipchart aufgehängt und es werden die Spielregeln erklärt:

>    Beide Teams beraten sich und spielen dann eine Karte. Wichtig ist, dass die Entscheidung eines jeden Teams völlig unabhängig von der Entscheidung des jeweils anderen Teams getroffen wird.
>    Spielen beide Teams eine rote Karte (Herz oder Karo), dann erhalten beide Teams jeweils 3 Pluspunkte (Rot = Kooperation).
>    Spielen beide Teams eine schwarze Karte (Pik oder Kreuz), dann erhalten beide Teams jeweils 3 Minuspunkte (Schwarz = Konkurrenz).
>    Spielt ein Team eine schwarze Karte und ein Team eine rote Karte, dann erhält das Team, das „Schwarz“ gespielt hat, 6 Pluspunkte. Das andere Team erhält 6 Minuspunkte.

Zusammenfassung: Gewinnplan

j

Eine Spieltabelle nach folgendem Vorbild wird an der Tafel oder am Flipchart visualisiert, um darin den Punktestand während des Spiels zu vermerken:

Gewinnplan2

Folgende Verhaltensmuster könnten in den Gruppen auftreten:

> Wie du mir, so ich dir: Nachdem ein Kooperationsangebot ausgeschlagen wurde, schlägt die ausgenutzte Gruppe das nächste Kooperationsangebot der anderen Gruppe selbst aus.
> Nettigkeit: Ein Kooperationsangebot wird in der nächsten Runde erwidert.
> Versöhnungsbereitschaft: Eine Gruppe macht weitere Kooperationsangebote, obwohl sie zuvor ausgenutzt wurde.
> Klarheit/Unklarheit: Gruppen können versuchen, ihr Spiel für das andere Team verständlich oder unverständlich zu machen, um ihre jeweiligen Spielabsichten besser verfolgen zu können.

Nach einer vorher festgelegten Anzahl von Runden (ca. 5-10) wird das Experiment beendet und eine gemeinsame Reflexionsrunde angeschlossen. Diese könnte folgende Fragen behandeln:

> Welche Strategie habt ihr im Spiel verfolgt? Warum?
> Wolltet ihr kooperieren oder nicht? Warum? (Wenn hier nur der eigene Vorteil angesprochen wird, kann auch gefragt werden, ob es darüber hinaus weitere Gründe gibt, warum Menschen kooperieren oder auf eigene Interessen verzichten.)
> War euer Ziel, Punkte nur für das eigene Team zu sammeln oder auch für die Gesamtgruppe? Warum?
> Hat sich eure Strategie im Laufe des Spiels verändert? Warum?
> Welche Voraussetzungen sind für Kooperation nötig?
> Konntet ihr der anderen Gruppe vertrauen? Wenn ja, wann?
> Wie habt ihr euch gefühlt, wenn ihr gewonnen bzw. verloren habt?
> Wie hat es sich ausgewirkt, dass ihr nicht mit der anderen Gruppe kommunizieren konntet?
> Kennt ihr ähnliche Situationen aus dem realen Leben?

Zum Abschluss dieser ersten Diskussionsrunde sollte bei den TN ein Verständnis dafür entstehen, dass ihr Verhalten mit ihren eigenen Wünschen sowie ihrer Wahrnehmung von sich selbst und von anderen Menschen zusammenhängt. Dies erlaubt eine Überleitung zur Gruppenarbeit mit den Texten zu exemplarischen Menschenbildern.

2. Gruppenarbeit zu Menschenbildern (ca. 30-60 Min.)

Die TN werden in etwa gleich große Gruppen eingeteilt, so dass jede Gruppe einen eigenen
der ausgewählten Menschenbildertexte bearbeiten kann. Jede_r TN liest den jeweiligen
Gruppentext zunächst alleine und tauscht sich anschließend mit seiner/ihrer Gruppe zu
folgenden Leitfragen aus:

> Wer hat das Menschenbild entwickelt? In welcher Zeit?
> Was macht den Menschen in diesem Menschenbild aus?
> Wo begegnet euch dieses Menschenbild?

Die TN halten die Ergebnisse ihrer Arbeit auf einem Flipchartpapier fest.

Auswertung

Anschließend treffen sich alle Kleingruppen im Plenum wieder und stellen sich die behandelten Menschenbilder gegenseitig vor. Dabei können folgende Auswertungsfragen diskutiert werden:

Zum Wirtschaftssystem:

> Was bedeutet dieses Menschenbild für die Gestaltung unserer Wirtschaft? Welche Grundzüge müssten im Wirtschaftssystem gegeben sein, um diesem Menschenbild zu entsprechen?
> Wo findet ihr eine Eigenschaft eines bestimmten Menschenbilds in der wirtschaftlichen Wirklichkeit wieder?
> Wo verhalten sich wirtschaftliche Akteure kooperativ, rational, eigennützig etc.?
> Welche Folgen kann die Dominanz eines bestimmten Menschenbildes in der Wirtschaft für andere Menschen, die Gesellschaft und die Natur haben?

Zum Kontext der TN (je nach Kontext können die Fragen angepasst und erweitert werden):

> Wo findet ihr Konkurrenz und Kooperation im Kontext Schule?
> Warum kooperieren/konkurrieren Menschen im Kontext Schule?
> Braucht das Schulsystem mehr Konkurrenz oder mehr Kooperation? Warum?
> Würde es euch selbst in der Schule besser gehen, wenn ihr euch mehr nach der Steigerung des eigenen Wohls oder mehr nach der Steigerung des Wohls aller richten würdet?

Das Experiment haben wir aus diesem Buch übernommen und angepasst:
Annette Reiners: Praktische Erlebnispädagogik 2. Augsburg 2007, S. 180-183.

Varianten und weitere Tipps für Anleitende findet ihr in der Methodenbeschreibung zum Download im grauen Kasten.