Gleichheit ist Glück

Textarbeit und Diskussion zu Verteilungsgerechtigkeit

Die Teilnehmer_innen beschäftigen sich mit der Frage, inwiefern die Steigerung von Lebensqualität nicht durch Wirtschaftswachstum, sondern durch eine Angleichung von Einkommen und Vermögen zu erreichen ist. Nach einer eigenen Positionierung lesen die Teilnehmer_innen ein Interview mit Richard Wilkinson, der die Studie „Gleichheit ist Glück“ mit erstellt hat und davon ausgeht, dass in gleicheren Gesellschaften weniger soziale und gesundheitliche Probleme zu finden sind. Danach sammeln die Teilnehmenden Argumente für und gegen mehr Einkommensgleichheit und diskutieren diese.

Arbeitsmaterial zum Download:
+Interview

Hintergrund

Ein gängiges Argument für mehr Wirtschaftswachstum ist die Schaffung von sozialem Ausgleich durch Armutsreduzierung nach dem Motto: „Wenn der Kuchen wächst, kriegen alle mehr davon ab.“ Doch zahlreiche Studien (z.B. der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung 2012) belegen, dass seit den 1990er-Jahren trotz oder gerade wegen des kontinuierlichen Wachstums der Wirtschaft die soziale Ungleichheit in Deutschland stetig zugenommen hat.

Die Studie „Gleichheit ist Glück“ von Richard Wilkinson und Kate Pickett belegt, dass das Wohlergehen einer Gesellschaft jedoch eng mit Gleichheit zusammenhängt. Für die Steigerung der Lebensqualität ist nach dieser Studie die Verteilungsfrage wichtiger als das Wirtschaftswachstum. Statt den Kuchen wachsen zu lassen, sollten die Kuchenstücke anders verteilt werden. Das ist eine große politische Herausforderung und gleichzeitig ein zentraler Bestandteil einer Postwachstumsgesellschaft, in der ein gutes Leben für alle ermöglicht werden soll.

Vorbereitung

Die Texte werden in ausreichender Anzahl für die TN kopiert. Für die Positionierung werden zwei DIN-A4-Blätter beschriftet, eines mit „Stimme voll und ganz zu“, der andere mit „Stimme überhaupt nicht zu“. Als Skala wird auf dem Fußboden eine lange Linie mit Kreppband geklebt. An das eine Ende wird das Schild „Stimme voll und ganz zu“ und an das andere das Schild „Stimme überhaupt nicht zu“ gelegt. Für die Kleingruppenarbeit werden, etwas voneinander entfernt, Tische (je 1 Tisch für 4 bis 5 TN) aufgestellt und mit Moderationskarten und Markern bestückt. Eine Pinnwand oder Tafel mit Magneten wird bereitgestellt.

Durchführung

1. Die_der Teamende leitet in das Thema ein. Die TN werden gebeten, sich auf der ganzen Skala im Raum zu folgenden Fragen zu positionieren:

  1. Wenn wir den Wohlstand im Land gleicher verteilen, brauchen wir kein Wirtschaftswachstum mehr.

  2. Ungleichheit ist nötiger als Leistungsanreiz: durch Ungleichheit streben Menschen nach mehr und das fördert die Innovationskraft des Landes.

  3. Alle Arbeit, die wichtig für die Gesellschaft ist, sollte gut entlohnt werden, egal ob Kindergärtner, Krankenpflegerin, Finanzberaterin oder Anwalt.

  4. Eine Angleichung von Einkommen und Vermögen ist politisch nicht umsetzbar.

  5. Ich wünsche mir mehr soziale Gerechtigkeit.

Die Fragen werden einzeln vorgelesen, nach jeder Frage stellen sich die TN neu auf entlang der Skala. Wenn die TN ihre Position eingenommen haben, werden ca. 3 Personen, die auf der Skala an unterschiedlichen Stellen stehen, kurz interviewt und um eine Begründung ihres Standpunktes gebeten.

2. Danach erhalten die TN das Interview mit Richard Wilkinson (Material: Interview) und lesen es. Im Plenum werden die wichtigsten Aussagen kurz gemeinsam zusammengefasst und Verständnisfragen geklärt.

3. Anschließend werden die TN gebeten, sich noch einmal auf der Skala zu positionieren zu der Aussage: „Ich halte die Angleichung von Einkommen und Vermögen für sinnvoll.“ Es werden Kleingruppen von ca. 4 bis 5 TN gebildet, die eine ähnliche Position auf der Skala vertreten. Die Kleingruppen, die sich eher für mehr Gleichheit positioniert haben, haben nun die Aufgabe, Argumente zu sammeln, die für eine größere Gleichheit sprechen. Die Kleingruppen, die sich eher gegen eine Angleichung positioniert haben, sammeln Argumente, die dagegen sprechen. Die Gruppen ziehen sich zurück, sammeln ihre Argumente und schreiben sie auf Moderationskarten (1 Argument pro Karte). Hierfür haben sie ca. 15 Minuten Zeit.

4. Danach stellen die Kleingruppen ihre Argumente vor. Dabei werden Argumente, die vorherige Gruppen bereits genannt haben, nicht mehr wiederholt, sondern nur noch neue Argumente ergänzt. Die Moderationskarten mit den Argumenten werden dabei an der Pinnwand/Tafel nach Pro und Kontra sortiert und geclustert.

5. Nun werden die Argumente gepunktet. Alle TN werden gebeten, die 4 Argumente, die sie am meisten überzeugen, durch Punkte mit den Markern auf den Moderationskarten zu markieren.

6. Die Argumente, die die meisten Punkte erhalten haben, werden in der Gesamtgruppe im Stuhlkreis besprochen. Die Leitfrage für die Diskussion kann sein: Ist mehr Gleichheit wichtig für ein gutes Leben aller? Bei einer größeren Gruppe kann es hilfreich sein, einen Ball als Redeball zu nutzen. Nur wer den Ball hat spricht.

Auswertung

Gemeinsam mit den TN wird die Diskussion ausgewertet:

  • Wie habt ihr euch in der Diskussion gefühlt?

  • Ist euch das Argumentieren für eure Position leicht gefallen?

  • Gibt es einen Konsens oder Kompromiss zwischen den Positionen?

  • Was wäre aus eurer Sicht eine tatsächliche Lösung, um die Lebensqualität für alle zu erhöhen?

Varianten

Ergänzend oder alternativ können die TN selbstständig im Internet Einkommensunterschiede in Deutschland recherchieren (z.B. zwischen Berufen mit dem höchsten und niedrigsten Jahreseinkommen, zwischen Männern und Frauen, zwischen Weißen Deutschen und People of Color/ sogenannten Menschen mit Migrationshintergrund, zur Entwicklung in den letzten Jahrzehnten). Empfehlenswerte Quellen sind der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2012 und die Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Zahlen können durch die TN visualisiert werden.

Möglichkeiten zur Weiterarbeit

Die Frage nach der Verteilung von Arbeit hängt eng mit dem Thema Einkommensgleichheit zusammen. Es kann zum Beispiel mit der Methode „Wie wollen wir arbeiten?“ (Kapitel 3) oder „Die 20-Stunden-Woche“ (Kapitel 5) weitergearbeitet werden.